Zum Hauptinhalt springen
Startseite/Glossar/Anschreiben

Anschreiben

Das Anschreiben ist das Begleitschreiben zur Bewerbung, in dem die Motivation für die Stelle und der Bezug zwischen den eigenen Qualifikationen und den Anforderungen der Position dargestellt werden. Es ergänzt den Lebenslauf um Kontext, der aus der reinen Auflistung von Stationen und Qualifikationen nicht hervorgeht.

Stand: 24.07.2026

Ob ein Anschreiben heute noch nötig ist, wird kontrovers diskutiert, seit ATS und KI-Werkzeuge den Bewerbungsprozess auf beiden Seiten verändern. Belastbare aktuelle Zahlen zur tatsächlichen Pflicht sind rar. Verlässlicher lässt sich beschreiben, was ein gutes Anschreiben leisten muss und wie Personalverantwortliche mit KI-gestützten Versionen umgehen.

Ob ein Anschreiben 2026 noch verlangt wird

Die konkreteste verfügbare Zahl dazu liefert eine Taledo-Studie unter den 50 umsatzstärksten deutschen Unternehmen aus dem Jahr 2020: Nur 28 Prozent der untersuchten Unternehmen verlangen ein Anschreiben zwingend, 64 Prozent stellen es optional und 2 Prozent erwarten es explizit nicht. Die Erhebung deckt allerdings nur Stellen in IT, Sales und Marketing bei umsatzstarken Konzernen ab. Für Handwerk, Pflege oder den öffentlichen Dienst lässt sich daraus keine verlässliche Quote ableiten; eine Fortschreibung für 2026 gibt es ebenfalls nicht.

Die letzte große DACH-weite Erhebung dazu ist noch älter und breiter angelegt. Eine Studie der Universität Bamberg mit über 4.800 Stellensuchenden und 1.000 Unternehmen aus den Jahren 2016/2017 fand, dass jeweils rund sechs von zehn Befragten das persönliche Anschreiben für relevant halten, während 36,5 % der Bewerbenden lieber darauf verzichtet hätten, wenn sie könnten Onpulson: Die Bewerbung der Zukunft. Das war vor dem KI-Bewerbungsboom, seither hat sich die Praxis spürbar verschoben.

Rechtlich ist die Sache klarer als die Prozentfrage. Eine Bewerbung darf mit jedem Hilfsmittel geschrieben werden, ob mit oder ohne KI, es gibt keine Offenlegungspflicht, solange die Angaben stimmen. Bei nachweislich falschen Angaben haftet die bewerbende Person selbst. Ein Arbeitgeber kann das Arbeitsverhältnis im Nachhinein anfechten, ordnet eine Fachanwältin für Arbeitsrecht ein dpa: Automatisierte Bewerbungsschreiben.

Wie verbreitet KI-gestützte Anschreiben inzwischen sind

KI-Unterstützung beim Anschreiben ist längst Alltag, keine Ausnahme mehr. In einer Statista-Umfrage vom Januar 2026 unter 500 Beschäftigten in Deutschland und den USA gaben 58 % der deutschen Befragten an, KI bei ihren Bewerbungen einzusetzen, 51 % davon konkret zum Erstellen oder Optimieren des Anschreibens Haufe: KI im Bewerbungsprozess. Auf der Empfängerseite fällt das Urteil zwiespältig aus: In einer österreichischen StepStone-Befragung von 160 Personalverantwortlichen aus dem Frühjahr 2025 lobten 72 % das professionellere Erscheinungsbild KI-gestützter Bewerbungen, gleichzeitig empfanden 63 % sie als weniger individuell zugeschnitten und 68 % als weniger authentisch StepStone Österreich: Jede zweite Bewerbung mit KI erstellt.

Diese Skepsis hat einen konkreten Grund: 77 % der befragten Unternehmen erhielten laut einer internationalen Remote/Censuswide-Erhebung vom August 2024 unter mehr als 4.100 Führungskräften innerhalb eines halben Jahres KI-generierte Bewerbungen mit falschen Angaben ingenieur.de: Bewerberflut. Ein KI-Werkzeug kann beim Formulieren helfen, ersetzt aber nicht die Pflicht, jede Aussage im eigenen Anschreiben nachprüfbar wahr zu halten. Wie sich ein KI-geschriebenes Anschreiben in der Praxis von einem selbst formulierten unterscheidet und woran es sich erkennen lässt, beschreibt der Artikel Anschreiben von KI schreiben lassen im Detail.

Was ein Anschreiben leisten sollte, unabhängig vom Werkzeug

Ein Anschreiben soll den Bezug zwischen den eigenen Erfahrungen und der konkreten Stelle herstellen, den eine reine Aufzählung im Lebenslauf nicht leisten kann. Das gilt unabhängig davon, ob es klassisch formuliert oder mit KI-Unterstützung vorbereitet wird: Eine Pflegefachkraft profitiert davon, den Bezug zwischen bisheriger Station und neuem Fachbereich herzustellen, ein Handwerksmeister davon, den Wechsel von der Anstellung in die Betriebsleitung zu begründen, eine Sachbearbeiterin davon, eine Erwerbslücke kurz einzuordnen. Genau dieser individuelle Bezug fehlt bei einer Massenbewerbung, bei der dasselbe Anschreiben unverändert an viele Stellen verschickt wird.

Als Teil eines vollständigen Bewerbungspakets sollte das Anschreiben außerdem den Umgang mit fehlenden Anforderungen mitdenken. Fehlt eine Kann-Anforderung, lässt sich das im Anschreiben oft mit einem kurzen, ehrlichen Satz zur Lernbereitschaft auffangen, während ein fehlendes Muss-Kriterium sich durch kein noch so gut formuliertes Anschreiben ausgleichen lässt.

Häufige Fragen

Braucht man 2026 noch ein Anschreiben?

Nicht überall, aber in der Praxis noch häufig erwartet. Nach der Taledo-Studie aus dem Jahr 2020 verlangen nur 28 Prozent der untersuchten Unternehmen ein Anschreiben zwingend, bei 64 Prozent ist es optional. Die Studie deckt allerdings nur die 50 umsatzstärksten deutschen Unternehmen und nur Stellen in IT, Sales und Marketing ab. Maßgeblich bleibt am Ende die einzelne Stellenanzeige.

Darf ich mein Anschreiben von einer KI schreiben lassen?

Ja, das ist rechtlich zulässig. Eine Bewerbung darf mit jedem Hilfsmittel verfasst werden, es gibt keine Offenlegungspflicht für KI-Nutzung, solange die enthaltenen Angaben stimmen, ordnet eine Fachanwältin für Arbeitsrecht ein dpa: Automatisierte Bewerbungsschreiben. Bei nachweislich falschen Angaben haftest du selbst dafür.

Merken Recruiter, ob ein Anschreiben von einer KI stammt?

Nicht zuverlässig. Eine geprüfte Erkennungsrate ist bislang nicht veröffentlicht. Recruiting-Teams nehmen KI-gestützte Bewerbungen zwar häufig als professioneller im Erscheinungsbild wahr, gleichzeitig aber als weniger individuell und authentisch, so eine österreichische StepStone-Erhebung unter 160 Personalverantwortlichen StepStone Österreich. Das ist ein Eindruck, keine technische Erkennung.

Was passiert, wenn im Anschreiben falsche Angaben stehen?

Für falsche Angaben haftet die bewerbende Person selbst. Bei nachgewiesener Täuschung kann ein Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis im Nachhinein anfechten, unabhängig davon, ob der Text mit oder ohne KI-Unterstützung entstanden ist, so eine Fachanwältin für Arbeitsrecht dpa: Automatisierte Bewerbungsschreiben. Genauigkeit bleibt deshalb wichtiger als Formulierungsstil.

Verwandte Begriffe